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Aitor Ortiz „Noumena"
11. April - 7. Juni 2014

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Die Galerie Stefan Röpke freut sich, „Noumena" ankündigen zu dürfen, die vierte Einzelausstellung von Fotoarbeiten des spanischen Künstlers Aitor Ortiz, die vom 11. April bis zum 7. Juni 2014 zu sehen ist.

Noumena ist ein Begriff aus der Philosophie, mit dem von Platon bis Kant Objekte außerhalb der Erscheinungswelt bezeichnet worden sind, die aus größter Intimität „im Reinzustand“ erwachsen. Während die Phänomenologie von der Kognition ausgeht, um Sinneseindrücke zu bilden, erfasst die Introspektion Intuitionen, die zu Kognition werden können – oder auch nicht.

Indem er die dokumentarische Architekturfotografie durchbricht und die Fähigkeit der fotografischen Darstellung, die Wirklichkeit aufzulösen und zu verändern, in den Vordergrund stellt, arbeitet Aitor Ortiz mit Raum, Architektur und dem Objekt als Ausgangspunkt für seine Beschäftigung mit einer ganzen Reihe von visuellen und kognitiven Aspekten. In früheren Reihen wie MODULAR, ESPACIO LATENTE oder AMORFOSIS hat der Künstler bereits ähnliche Themen angesprochen, bei denen die Wahrnehmungsverschiebung zwischen dem Zwei- und dem Dreidimensionalen eine Veränderung der Sinneswahrnehmung hervorrief und die Grenzen der Fotografie neu auslotete.

Ortiz verfügt über einen unnachgiebigen Drang, das Dilemma zwischen Darstellung und Interpretation (Wahrnehmung) unmittelbar anzugehen. So stellt er Verbindungen her zwischen dem Bildinhalt, der physischen Beschaffenheit des von ihm gewählten Bildträgers und der Position, die die Bilder im Ausstellungsraum einnehmen. Im Zuge dessen steckt Aitor Ortiz einen weiten Rahmen für seine Arbeiten und das Verhältnis zwischen den fotografierten Orten und den bewussten und unbewussten Mitteln ab, die bei der Bildbearbeitung zum Tragen kommen: das Auge (Interpretation, Rahmen, Dekontextualisierung…), die Kamera (Schärfe/Unschärfe, optische Verzerrung, Bewegungsübertragung...) und das Gehirn (die Grenzen eines unvollkommenen Apparats bei der Informationsaufnahme und seine empirischen Kräfte: Assoziierung von Konzepten…). Diese Beziehungen fließen im Ausstellungsraum zusammen, in dem die körperliche Erfahrung den eigentlichen Bildinhalt transzendiert und Teil eines Prozesses fortwährender Interaktion zwischen Darstellung und Wahrnehmung durch den Betrachter wird.

Mit den Worten des Intellektuellen Agustí Chalaux (1911-2006) gesprochen: „Durch die Betrachtung der äußeren Welt können wir lediglich „Phänomene“ einfangen, also ‚wahrnehmbare Erscheinungen‘. Phänomene sind Dinge, die sich den Sinnen offenbaren, und von den Sinnen ist besonders das Sehen relevant. Diese Einschätzung wird durch die Tatsache untermauert, dass viele Termini mit griechischen oder lateinischen Wurzeln (Evidenz, Intuition, Idee…), die entweder mit dem Erfassen oder der Darstellung der Phänomene zusammenhängen, aus Wörtern gebildet werden, die eindeutig mit dem Sehen, dem Sinn der Lichtwahrnehmung zusammenhängen (z.B. videre); es wird also das wahrgenommen, was sichtbar ist.“ „Es muss betont werden, dass alle Beobachtungen über die äußere Welt stark eingeschränkt sind, solange sie nicht die vielfältigen Symbiosen und internen Interpretationen einbeziehen, die die Evolution der menschlichen Gesamtintelligenz schon immer erfunden hat und auch weiterhin erfindet. Wenn wir etwa einen Gehstock beobachten, der ins Wasser gesteckt wird, so nehmen wir auf der Ebene der Phänomene wahr, dass der Stock gebogen ist. Die Akkumulation interner Symbiosen kann dazu führen, dass wir die Existenz eines optischen Phänomens feststellen, das dazu führt, dass der Stock gebogen aussieht. ‚Der Schein trügt. ‘ In diesem Sinne ist es am Menschen, die tatsächliche Realität des Phänomens zu entdecken, die hinter den Äußerlichkeiten liegen, die wir als real ansehen und die unsere Weltsicht lediglich verzerren.“

Wie Chalaux weiter sagt: „‚Noumena‘ können unmöglich konzeptualisiert, analysiert oder in irgendeiner Weise reduziert werden. Sie widersetzen sich Verallgemeinerungen, Messungen und/oder unendlich wiederholten Experimenten, mit denen man alle Theorien bestätigen und/oder widerlegen kann. Anders gesagt unterliegen die ‚Noumena‘ nicht der wissenschaftlichen Logik, wohingegen die Gesamtheit der Phänomene auf logische und experimentelle Weise angegangen werden kann.“

„Abgesehen von ihrer Unfähigkeit, aufgrund ihrer rationalen Unbeschreiblichkeit ausdrückliche Formen anzunehmen, sind Noumena so singulär und unwiederholbar wie die Person, die sie erschafft. Deshalb fehlen zwei der grundlegenden wissenschaftlichen Voraussetzungen: Denn was untersucht werden kann, kann in seiner spezifisch-empirischen Form definiert und unter Verwendung experimenteller Statistik unendlich oft wiederholt werden.“

Aitor Ortiz (Bilbao 1971) ist einer der bekanntesten spanischen Fotografen. Er war mit Einzel- und Gruppenausstellungen bereits in zahlreichen großen Museen in Europa, Amerika und Asien vertreten. Zu seinen letzten Solo-Ausstellungen zählen: Museo Guggenheim, Bilbao (2011), Fotografiska (Schwedisches Fotografiemuseum, Stockholm 2012) und Sala Canal de Isabel II, Madrid (2012). Im Jahr 2011 erschien bei Hatje Cantz eine wichtige Monografie zu seiner Arbeit, für die er von Kritikern gefeiert wurde und die mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, darunter: Ciudad de Palma Award, ABC Photography Prize, Ehrenpreis bei der Alexandria Biennale (Ägypten), First Villa de Madrid Photography Prize. Seine Arbeiten finden sich in vielen bedeutenden Sammlungen, einschließlich MNCARS, Fundación La Caixa, ARTIUM, CAB, IVAM, AXXA, Museo Guggenheim Bilbao, MACUF, Foto Colectania, Fundación Telefónica, Museo Es Baluard und viele andere.

Eröffnung: 11. April, 18-21 Uhr. Der Künstler ist anwesend.

Für weitere Informationen und Bildmaterial zu den ausgestellten Arbeiten wenden Sie sich bitte an die Galerie.
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